Archive for the ‘Reisefieber’ Category

Noch 23 Stunden.

August 10, 2007

20 Kilogramm sind nix. Gar nix. Bodylotion wieder auspacken hat nichts genutzt. Habt ihr gewusst, das ein einziges popeliges Strandhandtuch schon ein halbes Kilo wiegt? Und ein paar Sneaker sogar noch ein paar Gramm mehr? Ich musste staunen und zähneknirschend aus dem Nachschickpäckchen ein Nachschickpaket machen. So ganz ohne Materielles geht’s dann ja doch nicht.

Aber jetzt ist alles verstaut, alles bereit für den Abflug. Werde mich jetzt noch für vier Stunden aufs Ohr legen und versuchen, trotz Vorfreude und Endorphinschüben ein wenig zu schlafen, bevor es dann heute Nacht los geht zum Flughafen. Der nächste Beitrag wird unter griechischer Sonne verfasst.

Noch einmal schlafen!!!

August 9, 2007

Ich freue mich wie ein kleines Kind. So richtig richtig richtig doll. Eigentlich bin ich ja ein etwas sentimental veranlagter Mensch und kann Abschiede weniger als gar nicht leiden. Doch dieses Mal ist es unerwartet anders. Unerwartet leicht, weil die Vorfreude noch größer ist, als gedacht.

Morgen früh wird um acht Uhr der Wecker klingeln und mich zum Kofferpacken zwingen, was ich in letzten beiden Tagen erfolgreich vor mir hergeschoben habe. Mir graute nämlich die ganze Zeit schon ein wenig davor davor, mein Leben in einem Koffer und einem Rucksack und insgesamt 20 kg unterzubringen. Ich werde mit Sicherheit von einem Leid ins nächste fallen, wenn ich ein scheinbar unverzichtbares Detail nach dem anderen wegen mangelnder Kapazität von meiner Packliste streichen muss.

Doch wenn dann alle Schnallen und Verschlüsse geschlossen sind, dann wird es sich gut anfühlen. Umzüge haben ja schon so etwas Gutes an sich – so etwas seltsam Bereinigendes. Denn wenn das Leben sich in beschrifteten Umzugskisten verstauen lässt, dann hat das einen Hauch von Freiheit. Etwas von der Freiheit, jederzeit, an jedem Ort auf diesem Planeten an Vergangenes anknüpfen zu können. Weil man das wichtigste nicht in Kisten verstauen muss, weil man das wichtigste überhaupt in sich trägt. Ach, wie pathetisch.

Ein Körnchen Wahrheit ist jedoch dran. Die 20 kg, die ich morgen zusammenpacken werde (ja ja, und vielleicht das zusätzliche Päckchen, dass ich mir nachsenden lassen werde, ich geb’s ja zu), werden nur die Dinge beinhalten, die ich am allernötigsten brauche. Denn dies ist eine Stufe mehr als ein Umzug, dies ist ein Auswandern auf Zeit. Und da 20 kg nicht viel sind, werde ich mir beweisen wie unwichtig Materielles ist, wenn man die großen Schätze ganz woanders mit sich trägt. Die kleine Abschiedsfeier mit meiner Familie, meinen Großeltern und meinem Lieblingsonkel mit Familie aus Berlin und die herzlichen Umarmungen von allen am Ende des Abends sind zum Beispiel in Kilos überhaupt nicht aufzuwiegen. Aber sie bedeuten so viel mehr, als eine 400ml Flasche Bodylotion.

Ich freue mich also wie ein kleines Kind aufs 20kg-Kofferpacken, den Flughafen, das In-den-Sitz-gepresst-werden beim Abheben und auf die griechische Sonne.

Ich hab schon einen Freund, ganz für mich alleine!

August 6, 2007

Ich bin noch gar nicht in Griechenland angekommen und habe schon jetzt einen griechischen Freund. Einen, der mich am Flughafen abholt, der mir die Stadt zeigt, der mir mit der Sprache hilft und während der ersten Wochen für mich da ist. Mein ganz eigener „ERASMUS-Buddy“. Nur für mich. Ist das nicht toll?!

Ich hatte mich schon darauf eingestellt, dem Taxifahrer am Flughafen ein Handy mit meiner Vermieterin am anderen Ende ans Ohr zu halten, damit sie ihm erklärt, wo er mich hinbringen soll. Und dann einen Supermarkt zu suchen, damit ich übers Wochenende nicht verhungern muss. Und dann mit dem Stadtplan loszuziehen, mich herrlich zu verlaufen und dabei ganz viel zu entdecken. Aber macht nichts, das kann ja warten. Ein von AISEC eigens für mich abgestellter griechischer Buddy kann mir dann direkt am ersten Tag schon die sehenswertesten und wichtigsten Ecken zeigen. Verlaufen kann ich mich ja auch später noch.

„You’ve been accepted.“

Juli 19, 2007

Mir war ja wirklich etwas mulmig bei dem Gedanken, dass der Tag des Abflugs immer näher rückt und ich bis heute immer noch keine Bestätigung für meine erfolgreiche Bewerbung an der Aristotle University hatte. Also habe ich mir ein Herz gefasst und die im negativen Sinne berühmt berüchtigte ERASMUS-Koordinatorin in Thessaloniki angerufen.

Sie ist gar nicht so schlimm, wie alle behaupten. Nach nur dreimal Klingeln den Hörer abgenommen, fließendes Englisch, schnelle Information: „You’ve been accepted at the Department of Journalism and Mass Communication.“

Jippiiieeee!

Jetzt ist der große Stolperstein zwar aus dem Weg geräumt, einen kleinen gibt es trotzdem noch. Da im Journalism Department nur im Sommersemester Veranstaltungen auf Englisch angeboten werden, habe ich mich für das kommende Wintersemester zusätzlich bei der School of English für Linguistik beworben. Die ERASMUS-Koordinatorin sagte mir eben, dass meine Bewerbung dort momentan zwar vorliegt, aber noch nicht bearbeitet wurde. Theoretisch wäre es somit möglich, dass ich zwischen Sprachkurs und Sommersemester mein Improvisationstalent auf die Probe stellen muss. Es bleibt also doch noch ein wenig spannend…

Aus der Kramkiste.

Juni 30, 2007

Und weil ich gerade so mitten drin stecke im Reisefieber, mich irgendwie mitteilen muss, aber vor Müdigkeit keine sinnvollen Sätze zu einem aussagekräftigen Ganzen mehr zusammenfügen kann, habe ich ein paar halbwegs passende Sätze aus meinem alten Blog herausgesucht:

Unterwegs.

Im Zug von Stuttgart Richtung München und jede Menge Zeit für Gedanken, die ungelenkt gedacht werden, für Träume, die unzensiert geträumt werden, für Spinnereien die unausgesprochen gesponnen werden und für Pläne, die unbewertet geplant werden.

Der junge Mann auf dem gegenüberliegenden Sitz, der mit geschlossenen Augen der Musik seines mp3-Players lauscht und dessen Dreitagebart eher von Müdigkeit als von lässigem Auftreten zeugt, ist genauso wie die schicke Frau aus Österreich schräg gegenüber, die in dem schmutzigen Fenster vor der dunklen Nacht ihr Spiegelbild betrachtet und ebenso wie der Bundeswehrsoldat mit den raspelkurzen Haaren und den zittrigen Händen eine Reihe weiter hinten auf der Reise durch oder mit oder zu sich selbst. Faszinierend ist die Überlegung, wer wohl gerade welches Abenteuer erlebt – ganz für sich alleine, ohne Mitreisende.

Der Zugführer meldet den nächsten Bahnhof, die Wagen halten in Ulm. Für einen kurzen Moment kreuzen sich die imaginären Wege aller im Lauschen der Stimme aus dem Lautsprecher, um sich dann sofort wieder zu trennen und den Reiseweg einsam fortzusetzen bis zur Ankunft in München.

Und an Gleis 19 werden dann aus identitätslosen Reisenden Freunde, Geschwister, Kinder oder Partner, die begrüßt, umarmt und geküsst werden oder die auf schnellstem Wege den Ort aufsuchen, an dem vertraute Menschen darauf warten, an ihrer Reise teilhaben zu dürfen.

http://www.misswhatever.twoday.net, 03.09.2006