Das ERASMUS-Programm ist eine tolle Sache. Wissenschaftlicher und kultureller Austausch, internationale Kontakte, faleralera. Meine Begeisterung für dieses Austausch-Programm lag aber unter anderem auch darin begründet, dass es auch Kindern aus finanziell schwachem Elternhaus einen Auslandsaufenthalt während des Studiums ermöglicht. Hilfreich, dachte ich, sei vor allem die Tatsache, dass das Fördergeld nicht monatlich, sondern 80 % der Gesamtsumme am Anfang und 20 % am Ende der Förderungszeit ausgezahlt werden. So können Reisekosten und notwendige Anschaffungen problemlos bezahlt werden, ohne dass man vorher monatelang Erspartes zurücklegen muss.
Theoretisch. Mittlerweile bezweifele ich, dass mir meine Reise ohne den Vorschuss meiner Eltern möglich gewesen wäre.
Nicht ganz durchdacht ist nämlich der Zeitpunkt der ersten Auszahlung: Wenn die ersten Förderungs-Euros im Oktober auf meinem Konto eintrudeln, befinde ich mich schon fast zwei Monate in meiner neuen Heimat und habe schon lange zuvor Flugtickets, Backpacker-Rucksack, Reisepass, neuen Personalausweis, Telefon- und Portokosten sowie sonstige Überlebenspaketsachen bezahlt. Oder besser: Meine Eltern. Die fühlen sich mittlerweile halb in den Ruin getrieben und ich mich schuldig. Und diese dumme Last muss ich jetzt noch bis Oktober tragen.