Aus der Kramkiste.

By zumhorizont

Und weil ich gerade so mitten drin stecke im Reisefieber, mich irgendwie mitteilen muss, aber vor Müdigkeit keine sinnvollen Sätze zu einem aussagekräftigen Ganzen mehr zusammenfügen kann, habe ich ein paar halbwegs passende Sätze aus meinem alten Blog herausgesucht:

Unterwegs.

Im Zug von Stuttgart Richtung München und jede Menge Zeit für Gedanken, die ungelenkt gedacht werden, für Träume, die unzensiert geträumt werden, für Spinnereien die unausgesprochen gesponnen werden und für Pläne, die unbewertet geplant werden.

Der junge Mann auf dem gegenüberliegenden Sitz, der mit geschlossenen Augen der Musik seines mp3-Players lauscht und dessen Dreitagebart eher von Müdigkeit als von lässigem Auftreten zeugt, ist genauso wie die schicke Frau aus Österreich schräg gegenüber, die in dem schmutzigen Fenster vor der dunklen Nacht ihr Spiegelbild betrachtet und ebenso wie der Bundeswehrsoldat mit den raspelkurzen Haaren und den zittrigen Händen eine Reihe weiter hinten auf der Reise durch oder mit oder zu sich selbst. Faszinierend ist die Überlegung, wer wohl gerade welches Abenteuer erlebt – ganz für sich alleine, ohne Mitreisende.

Der Zugführer meldet den nächsten Bahnhof, die Wagen halten in Ulm. Für einen kurzen Moment kreuzen sich die imaginären Wege aller im Lauschen der Stimme aus dem Lautsprecher, um sich dann sofort wieder zu trennen und den Reiseweg einsam fortzusetzen bis zur Ankunft in München.

Und an Gleis 19 werden dann aus identitätslosen Reisenden Freunde, Geschwister, Kinder oder Partner, die begrüßt, umarmt und geküsst werden oder die auf schnellstem Wege den Ort aufsuchen, an dem vertraute Menschen darauf warten, an ihrer Reise teilhaben zu dürfen.

www.misswhatever.twoday.net, 03.09.2006

 

 

5 Antworten zu „Aus der Kramkiste.“

  1. Johannes Pütz sagt:

    Es ist einfach immer wieder schön, im Blog zu kramen und sich ein paar Geschichten präsent zu machen. Ein Blog ist dann bisweilen wie ein gut sortierter Zettelkasten, vorausgesetzt Du hast alles eifrig verschlagwortet. Da arbeite ich noch dran…

    Schöne Geschichte. Reisefieber ist klasse! Eine der schönsten Formen der Vorfreude! :-)

  2. Exilregierung sagt:

    Boah nee Jo – für den Zettelkasten gibts n 5er ins Luhmann-Phrasenschwein

  3. Johannes Pütz sagt:

    Mkay. Mein Nerd-Faktor beträgt aber noch nicht Luhmanns Schwellengrenze. Ich arbeite dran im Sinne einer „glokalen Redundanz“ und der Reduktion einer etwaigen „Fehlperzeption der Rezipienten“ meiner blogginalen Zeilen! :D

  4. zumhorizont sagt:

    Jo… du bist einfach echt ein Phänomen. Ich hätte da schon so eine Idee, wer Herrn Luhmanns Erbe in Zukunft weitertragen könnte. In der Buchhandlung wird dann neben der Luhmann-Hilfe der Bestseller „Pütz verstehen“ zu finden sein. *rofl*

  5. Johannes Pütz sagt:

    Das ist der Ehre wirklich zuviel, ma chère Lisa! :d

    P.S. außerdem wer bitte sollte den denn schreiben? Und für jeden Verleger noch viel spannender: wer will das lesen?^^

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